1. Abrahamsfest

www.abrahamsfest-marl.de                                                              27.11.2019

Foto: Stefan Schröer, Grimme

Bericht: „Kino – echt anders“: Jugendliche aus drei Marler Schulen sehen und diskutieren zwei ausgezeichnete Filme OBON und JOE BOOTS im Grimme-Institut. In dessen Grimme-Akademie machte das diesjährige 19.Abrahamsfest  mit dem Gesamtthema „Frieden – der Kulturen, Religionen und Völker“ am 19.Nov.Station.

Der große Saal im Grimme-Institut Marl war gefüllt und voller gespannter Erwartung; auf Einladung der Film-Expertin  Aycha Riffi und des Film-Experten Stefan Schröer von der Grimme-Akademie im Grimme-Institut  kamen rund 90 Jugendliche aus den Klassen 10, 11 und 12 aus drei Schulen: vom ASGSG=Albert Schweitzer-Geschwister Scholl-Gymnasium, von der Martin Luther King Schule und von der Kath. Hauptschule. Angekündigt waren die beiden Filme OBON und JOE BOOTS. Diese Filme machten betroffen und nachdenklich. In einer sehr einfühlsamen und kenntnisreichen Moderation durch Aycha Riffi – unterstützt von Stefan Schröer - kam es zu vertiefenden Erkenntnissen bei OBON am Thema „Massensterben durch die Zündung der ersten Atombombe in der Menschheitsgeschichte am 6. August 1945 in Hiroshima“, bzw. bei JOE BOOTS zum Thema „Lebenslange Traumatisierung im Irak-Krieg“. Auch Fragen zur Filmkunst kamen nicht zu kurz, immerhin unterschieden sich beide Filme deutlich.

OBON ist ein digital gearbeiteter Animationsfilm. Im Mittelpunkt steht Akiko, eine der letzten Überlebenden des Atombombenabwurfs in Hiroshima. An Obon, dem buddhistischen Fest der Erinnerung an verstorbene Angehörige, erinnert sich die Frau: An den überstrengen Vater, der kein freundliches Wort für die junge Frau und ihre Mutter fand. Und an den Tag, als der atomare Tod vom Himmel fiel. Die Katastrophe machte den Patriarchen zu einem anderen Menschen. „Zum ersten Mal dachte ich mir: Das ist mein Vater“. Regisseur Andre Hörmann ist zusammen mit Anna „Samo“ Bergmann  in 2018 ein auch international vielfach ausgezeichneter Film gelungen. Die Jugendlichen begriffen die filmische eindringliche Botschaft.

JOE BOOTS – ein Film mit vielen „natürlichen“, zT dokumentarischen Aufnahmen kontrastierte mit OBON´s Animationsformat. JOE BOOTS ist eine Art Selbstgespräch: ein Jugendlicher aus einer ehemaligen Bergbau-Kohleregion im US-amerikanischen Pennsylvania meldet sich von der High School zur US-Armee unter dem Eindruck vom 11. September 2001, als die Twin Tower-Wolkenkratzer in New York brutal zerstört wurden. Als junger  Soldat erlebte er „Normalität“ des Antiterror-Krieges im Irak, bis eines Tages direkt neben ihm eine Bombe explodierte. Körperlich blieb Joe unverletzt, doch in ihm zerbrach etwas, unbemerkt, unsichtbar. Wieder zurück zuhause ging es los mit seinen Ausrastern und mit Depressionen. „Manchmal wünschte ich mir, sie hätten mir die Arme weggeschossen – damit jeder sehen kann, dass mit mir etwas nicht stimmt.“ Mit 19 in den Krieg, mit 21 zurück als psychisches Wrack. Danach zusätzlich die MS-Krankheit; nun bekommt Joe  Therapie, anders  als bei seiner tiefen „posttraumatischen Belastungsstörung“, die nicht als Krankheit anerkannt wurde. – Dieser Film von Florian Baron von 2017 ist vielfach ausgezeichnet.

Dank der Zusammenarbeit der Grimme-Profis Riffi und Schroer mit dem Duisburger Filmfestival doxs! gelangten diese Filme ins 19.Abrahamsfest Marl, bei „Kino – echt anders“, das seit 2017 sehr erfolgreich läuft und in 2020 fortgesetzt wird beim kommenden 20. Abrahamsfest und dessen Gesamtthema „Jugend – zwischen den Stühlen/aktiv“.

 

Gez. Hartmut Dreier