Foto: H.Dreier

  1. Abrahamsfest Marl

www.abrahamsfest-marl.de                                                                            29. Nov. 2018

Pressebericht: Prof. Milad Karimi überzeugte und macht Hoffnung.

Am Dienstag, 27. Nov. 2018 war zu Gast in Marl einer der bekanntesten deutsch-sprachigen Muslime in Europa Prof. Dr. Ahmed Milad Karimi (Münster) zum Thema: „Eure Kinder sind nicht eure Kinder! Was es heißt, Kinder Abrahams zu sein.“ Im Rahmen des 18. Abrahamsfestes und in Kooperation mit der VHS „die insel“ Marl fand der Abend bei „Friedenswege e.V.“ in Marl-Drewer statt. Das frühere Klassenzimmer füllten die ca 60 Anwesenden, im anderen Klassenraum gab es in der Pause ein Buffet mit guten Gesprächen. Orahn Taskin (Marl) improvisierte auf der Bambusflöte auf Wunsch von Prof. Karimi.  Die Atmosphäre war in jeder Hinsicht „dicht“.

Karimi ist als 14-Jähriger mit seiner Familie aus Kabul in Afghanistan geflohen, über Indien, Russland und Kasachstan kamen sie nach gut 2 Jahren Flucht nach Deutschland. Milad Karimi wuchs in Darmstadt auf. Er bezeichnet sich als ein „Zwischenweltler“. In seiner Lebensbeschreibung (im Verlag Herder) beschreibt er seine Liebe zum Koran und zur Philosophie; 1979 in Kabul geboren  lehrt er heute als einer der jüngeren Professoren an der Uni Münster, am Zentrum für Islamische Theologie mit seinen rund 1.000 Studierenden der islamischen Theologie und Religionspädagogik. Auch in Marl machte Prof. Karimi Hoffnung.

Im Anschluss an den libanesischen Denker Khalid Gibran legte er dar: Kinder kommen zur Welt durch ihre Eltern aber sie gehören ihnen nicht sondern „ihre Seele wohnt im Haus der Zukunft“. Daher ist geht es darum, vom Kind her zu denken, aus der Perspektive von Kindern. Sie brauchen Schutz und hier betonte er eindringlich die Rechte der Kinder, ihre Bildung, friedliche Verhältnisse, die universal gültigen Menschenrechte. Er deutete Kinder im Koran wie Josef, Mose, Jesus, Abraham und Mohammed und verwies dabei auf die benachbarten heiligen Schriften Thora und Bibel. Die drei Abrahamitischen Religionen verehren einen gemeinsamen Gott; dabei spricht Karimi überwölbend nicht von „Jahwe“, „Dreieiniger Gott“, „Allah“ sondern vom „Ewigen“. „Wenn Du Dich auf Deine Religion berufst, musst Du Dich auf die anderen Religionen einlassen.“

Karimi äußert sich in dieser Weltepoche von Fundamentalismus und Terrorismus auch selbstkritisch zum Erscheinungsbild des Islam, weltweit und hierzulande. So bittet er – warmherzig wie er ist - die hiesigen Muslime, sich als Botschafter der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit für alle zu bewähren. „Als Angehörige unserer je eigenen Religion und Religionen haben wir eine gemeinsame Aufgabe für alle Kinder, Älteren, für alle Menschen“. „Was ist unser Glaube wert, wenn er nicht allen hilft?“  Jeder müsse sich darauf ansprechen lassen, Kind (gewesen) zu sein und alt zu werden. Flucht und Flüchtling – das sind Risiken oder Erfahrungen aller Menschen, auch weltweit heute. Karimi spricht praktisch, konkret – auch gegen Krieg, Intoleranz, Denken in schwarz-weiß. Dabei ist ihm wichtig: „Das Gute erwächst aus dem Schönen“. Schönes ist nach seiner Überzeugung Teil des Islam und der Abrahamitischen Religionen und eigne sich als Brücke zwischen ihnen – zum Wohlsein der Menschheit.

Gez. Hartmut Dreier

Die nächsten Veranstaltungen im 18. ABF: Freitag, 30. Nov 16 Uhr. Pizza & Filme. Ort: KBC – Kunterbuntes Chamäleon, G.Herwegh Str., Marl-Hüls

MI 12. Dez. 17 – 20 Uhr: Gastmahl zum 18. Abrahamsfest. Ort:Rathaussaal Marl

SO 16. Dez. 14.30 Uhr: Der neue Dokumentarfilm: „Jüngere fragen/Ältere erzählen – unsere Kindheit“. Ort: Yunus Emre Moschee, Sickingmühlerstr. 100 B.